Notgroschen: Wie groß er sein sollte und wo Sie ihn parken
Ein Notgroschen fängt Reparaturen, Jobverlust und andere Überraschungen ab. So berechnen Sie die passende Höhe und wählen ein Konto, auf das Sie schnell zugreifen können.
Eine kaputte Waschmaschine, eine hohe Nachzahlung bei den Nebenkosten oder ein paar Monate ohne Gehalt: Solche Ereignisse kommen selten angekündigt. Wer dafür eine Rücklage hat, muss nicht den Dispo nutzen und keinen Kredit aufnehmen.
Dieser Artikel zeigt, wie Sie die Höhe Ihres Notgroschens aus Ihren eigenen Zahlen ableiten, wo das Geld sicher und erreichbar liegt und wie Sie die Rücklage Schritt für Schritt aufbauen.
In 30 Sekunden
- Rechnen Sie mit Ihren monatlichen Fixkosten, nicht mit Ihrem Einkommen.
- Drei Monatsausgaben sind ein üblicher Startwert, sechs oder mehr bei unsicherem Einkommen.
- Der Notgroschen gehört auf ein separates, täglich verfügbares Konto, meist ein Tagesgeldkonto.
- Aktien, Fonds und lange Festgeldlaufzeiten sind für diese Rücklage ungeeignet.
- Bauen Sie die Summe per Dauerauftrag direkt nach dem Gehaltseingang auf.
Wofür der Notgroschen da ist
Der Notgroschen ist Geld für ungeplante, notwendige Ausgaben. Er ist kein Urlaubskonto und kein Topf für ein neues Handy. Seine Aufgabe ist einfach: Er soll verhindern, dass ein Problem zu Schulden führt.
Typische Fälle sind:
- Reparaturen am Auto, an der Heizung oder an Haushaltsgeräten,
- Nachzahlungen aus der Nebenkosten- oder Stromabrechnung,
- Zahnersatz, Brille oder andere Gesundheitskosten, die die Kasse nicht voll übernimmt,
- eine Lücke zwischen dem letzten Gehalt und der ersten Zahlung der Agentur für Arbeit,
- ein kurzfristiger Umzug oder eine Kaution.
Wer keine Rücklage hat, greift in solchen Momenten oft zum Dispokredit. Dessen Zinsen gehören zu den teuersten Formen der Verschuldung. Schon ein kleiner Betrag, der ein paar Monate im Minus steht, kostet spürbar Geld. Der Notgroschen spart diese Kosten und gibt Ihnen Zeit, in Ruhe zu entscheiden.
Die richtige Höhe berechnen
Eine feste Summe für alle gibt es nicht. Sinnvoll ist eine Rechnung auf Basis Ihrer notwendigen Ausgaben pro Monat. Dazu zählen Miete oder Rate inklusive Nebenkosten, Strom, Versicherungen, Lebensmittel, Mobilität, Telefon und Internet sowie laufende Kreditraten. Freizeit, Restaurantbesuche und Streamingdienste lassen Sie weg, denn diese Ausgaben würden Sie im Notfall kürzen.
Eine verbreitete Faustregel lautet: drei bis sechs Monate dieser Fixkosten. Wo Sie in dieser Spanne liegen, hängt von Ihrer Lage ab.
| Situation | Orientierung | Begründung |
|---|---|---|
| Unbefristet angestellt, Single, keine Immobilie | etwa 3 Monatsausgaben | Einkommen relativ stabil, wenige Verpflichtungen |
| Paar mit zwei Einkommen | 3 bis 4 Monatsausgaben | Ein Einkommen kann das andere teilweise auffangen |
| Familie mit einem Hauptverdiener | 4 bis 6 Monatsausgaben | Höhere Fixkosten, mehr Abhängigkeit von einem Gehalt |
| Selbstständig oder Freiberufler | 6 Monatsausgaben oder mehr | Schwankende Einnahmen, Steuervorauszahlungen |
| Eigentümer von Haus oder Wohnung | zusätzlicher Puffer für Instandhaltung | Reparaturen am Gebäude trägt kein Vermieter |
Ein Rechenbeispiel macht es greifbar. Die Zahlen sind angenommen und dienen nur der Veranschaulichung.
Prüfen Sie außerdem Ihre eigene Absicherung. Wer eine Hausratversicherung hat, trägt bestimmte Schäden nicht selbst. Wer dagegen ein altes Auto fährt, auf das er beruflich angewiesen ist, sollte einen Teil für Reparaturen fest einplanen. Die Faustregel ist ein Startpunkt, keine Pflicht.
Wo der Notgroschen gut aufgehoben ist
Für die Rücklage zählen drei Eigenschaften in dieser Reihenfolge: Sicherheit, Verfügbarkeit und erst dann Ertrag. Das Geld muss in wenigen Tagen auf Ihrem Girokonto sein können, und sein Wert darf nicht schwanken.
Tagesgeldkonto
Das Tagesgeldkonto ist für die meisten Menschen die passende Lösung. Sie können jederzeit darüber verfügen, es gibt keine feste Laufzeit, und die Bank zahlt einen variablen Zins. Dieser Zins kann sich jederzeit ändern. Vergleichen Sie Angebote regelmäßig und achten Sie darauf, ob ein beworbener Zins nur für Neukunden oder nur für wenige Monate gilt.
Festgeld
Beim Festgeld legen Sie Geld für eine feste Laufzeit zu einem festen Zins an. Vor Ablauf kommen Sie in der Regel nicht an das Geld. Für den Kern des Notgroschens ist das ungeeignet. Wer eine große Rücklage hat, kann einen Teil davon in kurze Festgeldlaufzeiten legen und den schnell verfügbaren Teil auf dem Tagesgeld lassen.
Girokonto
Das Geld einfach auf dem Girokonto stehen zu lassen, ist sicher und bequem. Der Nachteil: Es bringt meist keine Zinsen, und die Grenze zwischen Rücklage und Alltagsgeld verschwimmt. Viele geben es dann unbemerkt aus.
Was nicht passt
Aktien, ETFs, Kryptowerte oder Gold können im falschen Moment deutlich an Wert verloren haben. Ein Notfall richtet sich nicht nach dem Börsenkurs. Auch Bausparverträge oder Versicherungsprodukte mit langen Bindungen eignen sich nicht, weil der Zugriff eingeschränkt oder teuer ist.
Den Notgroschen in Schritten aufbauen
Kaum jemand hat die volle Summe auf einmal. Wichtig ist, überhaupt anzufangen und den Aufbau zu automatisieren.
- Fixkosten ermitteln
Gehen Sie die Kontoauszüge der letzten drei Monate durch und notieren Sie alle notwendigen Ausgaben. Jährliche Zahlungen wie die Kfz-Versicherung teilen Sie durch zwölf.
- Zielbetrag festlegen
Multiplizieren Sie die Fixkosten mit der Zahl der Monate, die zu Ihrer Situation passt. Schreiben Sie den Betrag auf.
- Separates Konto eröffnen
Richten Sie ein Tagesgeldkonto ein, das nur für die Rücklage da ist. Ohne Karte und ohne Verknüpfung mit Bezahl-Apps sinkt die Versuchung.
- Dauerauftrag einrichten
Legen Sie einen Dauerauftrag an, der am Tag nach dem Gehaltseingang ausgeführt wird. So sparen Sie, bevor Sie das Geld ausgeben.
- Zwischenziel feiern, dann weitermachen
Ein erster Monat Fixkosten ist bereits ein echter Puffer. Danach sparen Sie weiter, bis der Zielbetrag erreicht ist.
Beispiel: Wenn Sie 200 € im Monat zurücklegen und Ihr Ziel bei 5.400 € liegt, brauchen Sie 27 Monate, also gut zwei Jahre. Bei 300 € im Monat sind es 18 Monate. Zusätzliche Einnahmen wie eine Steuererstattung, Urlaubs- oder Weihnachtsgeld können den Aufbau deutlich verkürzen, wenn Sie einen Teil davon direkt auf das Rücklagenkonto überweisen.
Notgroschen und Schulden gleichzeitig
Wer teure Schulden hat, steht vor einer Abwägung. Jeder Euro, der im Notgroschen liegt, könnte auch einen Kredit tilgen. Trotzdem ist ein kleiner Puffer auch dann sinnvoll. Ohne ihn führt die nächste Autoreparatur direkt zurück in den Dispo.
Ein gängiger Weg ist dieser: Bauen Sie zuerst eine kleine Startreserve auf, etwa einen Monat Fixkosten. Danach fließt der Großteil des freien Geldes in die Tilgung der teuersten Schulden. Erst wenn diese abbezahlt sind, bauen Sie den Notgroschen auf die volle Höhe aus. So vermeiden Sie neue Schulden, ohne unnötig lange hohe Zinsen zu zahlen.
Den Notgroschen richtig nutzen und wieder auffüllen
Eine Rücklage bringt nur etwas, wenn Sie sie im Ernstfall auch verwenden. Manche Menschen scheuen sich davor und nehmen stattdessen einen Kredit auf. Das ist teurer und widerspricht dem Zweck des Kontos.
Stellen Sie sich vor einer Entnahme drei Fragen: Ist die Ausgabe notwendig? Ist sie unerwartet? Lässt sie sich nicht aus dem laufenden Monatsbudget bezahlen? Wenn alle drei Antworten Ja lauten, nutzen Sie den Notgroschen ohne schlechtes Gewissen.
Danach hat das Auffüllen Vorrang. Erhöhen Sie den Dauerauftrag für einige Monate oder kürzen Sie vorübergehend variable Ausgaben. Überprüfen Sie außerdem einmal im Jahr, ob der Zielbetrag noch passt. Steigen Miete oder Energiekosten, steigen auch Ihre Fixkosten und damit die sinnvolle Höhe der Rücklage.
Vorhersehbare Ausgaben gehören übrigens nicht in den Notgroschen. Die jährliche Kfz-Versicherung, die nächste Brille oder das Geburtstagsgeschenk sind planbar. Dafür eignet sich ein zweites Unterkonto, auf das Sie jeden Monat einen festen Betrag überweisen. So bleibt die Rücklage für echte Notfälle unangetastet.
Zinsen auf dem Tagesgeld sind Kapitalerträge. Sie sind steuerpflichtig, soweit sie den Sparerpauschbetrag übersteigen. Mit einem Freistellungsauftrag bei der Bank sorgen Sie dafür, dass bis zu diesem Betrag keine Steuer einbehalten wird. Die aktuelle Höhe des Pauschbetrags finden Sie auf der Website des Bundesfinanzministeriums oder Ihres Finanzamts.
Offizielle Quellen
- BaFin: Verbraucherinformationen zur Einlagensicherung und zu Banken mit Erlaubnis in Deutschland.
- Bundesministerium der Finanzen: aktuelle Höhe des Sparerpauschbetrags und Regeln zur Besteuerung von Zinsen.
- Verbraucherzentrale: unabhängige Hinweise zu Tagesgeld, Festgeld und dem Vergleich von Zinsangeboten.
Häufige Fragen
Wie viel Notgroschen brauche ich als Student oder Azubi?
Auch mit kleinem Einkommen hilft eine Rücklage. Rechnen Sie Ihre notwendigen Ausgaben aus und starten Sie mit dem Ziel von einem Monat. Danach erhöhen Sie schrittweise, sobald das Einkommen steigt.
Sollte der Notgroschen bei derselben Bank wie das Girokonto liegen?
Das ist bequem, weil Überweisungen oft sofort ankommen. Ein Konto bei einer anderen Bank schafft dagegen mehr Abstand und senkt die Versuchung. Wichtig ist, dass Sie das Geld innerhalb weniger Tage auf dem Girokonto haben können.
Zählt ein ETF-Sparplan zum Notgroschen?
Nein. Der Wert eines ETF schwankt und kann genau dann niedrig sein, wenn Sie Geld brauchen. Der Notgroschen sollte deshalb getrennt von langfristigen Anlagen auf einem Konto ohne Kursrisiko liegen.
Was mache ich mit Geld, das über den Notgroschen hinausgeht?
Ist die Rücklage voll, können Sie weiteres Geld für konkrete Sparziele oder für langfristige Anlagen verwenden. Welche Anlage passt, hängt von Ihrem Zeithorizont und Ihrer Risikobereitschaft ab. Eine unabhängige Beratung, etwa bei einer Verbraucherzentrale, kann dabei helfen.
Muss ich Zinsen auf dem Tagesgeld versteuern?
Zinsen sind Kapitalerträge und unterliegen der Steuer, sobald sie über dem Sparerpauschbetrag liegen. Mit einem Freistellungsauftrag bei Ihrer Bank bleiben Erträge bis zu diesem Betrag steuerfrei. Die aktuelle Höhe finden Sie beim Bundesfinanzministerium.


