Indexfonds und ETFs für Einsteiger: Kosten, Risiko, Steuern
Indexfonds bilden einen Marktindex nach und sind oft günstig. Hier lesen Sie, wie sie funktionieren, welche Risiken bleiben und worauf Sie beim Kostenvergleich achten.
Indexfonds gehören zu den bekanntesten Anlageformen für Privatanleger in Deutschland. Meist sind damit börsengehandelte Indexfonds gemeint, kurz ETFs. Sie versprechen breite Streuung zu niedrigen Kosten.
Dieser Artikel erklärt, was hinter einem Index steckt, welche Kosten wirklich zählen, welche Risiken bleiben und wie die Besteuerung in Deutschland grundsätzlich funktioniert. Er nennt bewusst keine einzelnen Fonds und macht keine Renditeversprechen.
In 30 Sekunden
- Ein Indexfonds bildet einen Index nach, statt einzelne Wertpapiere auszuwählen.
- Niedrige laufende Kosten sind ein Hauptvorteil. Kleine Prozentunterschiede summieren sich über Jahrzehnte.
- Streuung senkt das Risiko einzelner Unternehmen, schützt aber nicht vor Marktkrisen.
- Aktien-ETFs eignen sich für Geld, das Sie viele Jahre nicht brauchen.
- Erträge unterliegen der Abgeltungsteuer. Sparerpauschbetrag und Freistellungsauftrag helfen.
Was ein Indexfonds ist
Ein Index ist eine Liste von Wertpapieren nach festen Regeln, zum Beispiel die größten börsennotierten Unternehmen eines Landes oder einer Region. Bekannte Aktienindizes messen, wie sich diese Gruppe von Unternehmen insgesamt entwickelt.
Ein Indexfonds kauft die Wertpapiere dieses Index in der vorgegebenen Gewichtung. Es gibt kein Fondsmanagement, das versucht, besser als der Markt zu sein. Man spricht deshalb von passivem Investieren. Das Ziel ist, die Entwicklung des Index möglichst genau abzubilden, abzüglich der Kosten.
ETF steht für Exchange Traded Fund. Diese Fonds werden wie Aktien an der Börse gehandelt. Sie können sie über ein Wertpapierdepot bei einer Bank oder einem Onlinebroker kaufen und verkaufen. Viele Anbieter ermöglichen auch Sparpläne mit kleinen monatlichen Beträgen.
Aktiv gegen passiv
Aktiv verwaltete Fonds beschäftigen Analysten und Fondsmanager, die Wertpapiere auswählen. Das kostet Geld, und diese Kosten tragen die Anleger. Viele Studien zeigen, dass es aktiven Fonds über lange Zeiträume schwerfällt, ihren Vergleichsindex nach Kosten zu schlagen. Garantien gibt es aber in keine Richtung.
Replikation
Manche ETFs kaufen alle oder fast alle Titel des Index. Das nennt man physische Replikation. Andere bilden den Index über ein Tauschgeschäft mit einer Bank nach, die sogenannte synthetische Replikation. Beide Formen sind in der EU reguliert. Für Einsteiger ist vor allem wichtig, die Methode zu kennen und im Datenblatt nachzulesen.
Welche Kosten zählen
Kosten sind einer der wenigen Faktoren, die Sie beim Investieren sicher beeinflussen können. Jeder Euro Gebühren fehlt am Ende im Depot, und zwar samt der Erträge, die er hätte erwirtschaften können.
| Kostenart | Was sie bedeutet | Wo Sie sie finden |
|---|---|---|
| Laufende Kosten (TER) | Jährliche Verwaltungskosten des Fonds in Prozent | Basisinformationsblatt, Factsheet |
| Ordergebühr | Gebühr des Brokers pro Kauf oder Verkauf | Preis- und Leistungsverzeichnis des Brokers |
| Sparplangebühr | Kosten pro Sparplanausführung | Preis- und Leistungsverzeichnis des Brokers |
| Spread | Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs | Handelsplatz, Ordermaske |
| Depotgebühr | Jährliche Kosten für die Depotführung | Preis- und Leistungsverzeichnis |
| Tracking-Differenz | Abweichung zwischen Fonds und Index über ein Jahr | Vergleichsportale, Fondsberichte |
Ein Beispiel zeigt den Effekt. Angenommen, Sie haben 10.000 € angelegt. Bei laufenden Kosten von 0,2 % im Jahr zahlen Sie 20 €. Bei 1,5 % sind es 150 €, also 130 € mehr pro Jahr. Über viele Jahre und mit wachsendem Vermögen wird dieser Unterschied deutlich größer, weil auch die Erträge auf das gesparte Geld fehlen.
Streuung und Risiko verstehen
Ein breiter Index enthält Hunderte oder Tausende Unternehmen. Geht ein einzelnes Unternehmen pleite, fällt das im Gesamtbild kaum ins Gewicht. Das ist der Kern der Diversifikation.
Streuung schützt aber nicht vor allem. Wenn die Aktienmärkte weltweit fallen, fällt auch ein breiter Aktien-ETF. In der Vergangenheit gab es Phasen, in denen Aktienmärkte innerhalb kurzer Zeit stark eingebrochen sind und Jahre für die Erholung brauchten. Wer in so einer Phase verkaufen muss, realisiert Verluste.
Achten Sie beim Streuen auf drei Ebenen:
- Regionen: Ein Index, der nur ein Land abbildet, hängt stark von dessen Wirtschaft ab.
- Branchen: Manche Indizes sind stark auf wenige Branchen konzentriert.
- Anlageklassen: Neben Aktien-ETFs gibt es Anleihen-ETFs, die sich anders verhalten. Der Anteil sicherer Anlagen wie Tagesgeld bestimmt, wie stark Ihr Gesamtvermögen schwankt.
Viele Einsteiger teilen ihr Vermögen in einen sicheren und einen risikoreichen Teil. Der sichere Teil liegt auf Tages- oder Festgeld, der risikoreiche in Aktien-ETFs. Das Verhältnis hängt davon ab, welche Schwankungen Sie aushalten, ohne in Panik zu verkaufen.
Anlagehorizont und Sparplan
Aktien-ETFs eignen sich für Geld, das Sie lange nicht brauchen. Eine häufige Orientierung sind mindestens zehn bis fünfzehn Jahre. Je länger der Zeitraum, desto mehr Zeit bleibt, um schlechte Börsenjahre auszugleichen. Sicher ist das nicht, aber das Risiko eines Verlusts sank in der Vergangenheit mit der Anlagedauer.
Ein Sparplan investiert jeden Monat einen festen Betrag. Sie kaufen dadurch automatisch zu unterschiedlichen Kursen und müssen keinen Einstiegszeitpunkt wählen. Das diszipliniert und passt gut zu einem Monatsbudget.
Beispiel: Wer 150 € im Monat über 20 Jahre einzahlt, hat 36.000 € eingezahlt. Wie viel daraus wird, hängt von der Wertentwicklung ab, die niemand vorhersagen kann. Den Rechner unten können Sie mit eigenen Annahmen nutzen. Rechnen Sie dabei mehrere Szenarien, auch vorsichtige.
Bevor Sie investieren, sollten zwei Dinge erledigt sein: Ein Notgroschen liegt auf einem Tagesgeldkonto, und teure Konsumschulden sind abbezahlt. Sonst müssen Sie ETF-Anteile womöglich im ungünstigsten Moment verkaufen.
Steuern und staatlich geförderte Wege in Deutschland
Deutschland hat kein allgemeines steuerfreies Anlagekonto für Wertpapiere. Erträge aus ETFs, also Ausschüttungen und Kursgewinne beim Verkauf, unterliegen der Abgeltungsteuer. Dazu kommen Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Die inländische Depotbank führt die Steuer in der Regel automatisch ab.
- Sparerpauschbetrag: Kapitalerträge bis zu einem jährlichen Freibetrag bleiben steuerfrei. Damit die Bank keine Steuer abzieht, erteilen Sie einen Freistellungsauftrag.
- Teilfreistellung: Bei Aktienfonds ist ein Teil der Erträge steuerfrei, weil auf Fondsebene bereits Steuern anfallen können.
- Vorabpauschale: Bei thesaurierenden Fonds, die Erträge wieder anlegen, kann jährlich eine fiktive Mindestbesteuerung anfallen. Die Bank zieht sie vom Verrechnungskonto ein.
Die aktuellen Freibeträge, Sätze und Berechnungsgrundlagen ändern sich. Prüfen Sie sie auf der Website des Bundesfinanzministeriums oder lassen Sie sich von einer Steuerberatung helfen.
Daneben gibt es staatlich geförderte Formen der Altersvorsorge, in denen Fonds eine Rolle spielen können: fondsgebundene Riester-Verträge, die Basisrente (Rürup) und die betriebliche Altersvorsorge. Auch vermögenswirksame Leistungen des Arbeitgebers lassen sich in Fondssparplänen anlegen. Diese Wege haben eigene Regeln zu Förderung, Kosten, Bindung und Besteuerung im Alter. Vergleichen Sie die Gesamtkosten genau, denn Vertragskosten können einen Teil der Förderung aufzehren.
Kosten und Fonds vergleichen: So gehen Sie vor
- Index zuerst wählen
Entscheiden Sie, welchen Markt Sie abbilden wollen, etwa weltweit, nur Industrieländer oder eine bestimmte Region. Der Index bestimmt das Risiko stärker als der Anbieter.
- ETFs auf diesen Index vergleichen
Listen Sie mehrere Fonds auf denselben Index auf. Vergleichen Sie laufende Kosten, Fondsgröße, Alter, Replikationsmethode und Ertragsverwendung.
- Tracking-Differenz prüfen
Sie zeigt, wie stark der Fonds tatsächlich hinter oder vor dem Index lag. Sie ist oft aussagekräftiger als die TER allein.
- Broker-Kosten einrechnen
Prüfen Sie Sparplan- und Ordergebühren, Depotkosten und ob der gewünschte ETF sparplanfähig ist.
- Basisinformationsblatt lesen
Hier stehen Risikoklasse, Kosten und Anlageziel in standardisierter Form. Lesen Sie es vor jedem Kauf.
Unabhängige Informationen bieten die Verbraucherzentralen und Stiftung Warentest. Vorsicht bei Empfehlungen aus sozialen Medien: Dort werden Produkte oft beworben, ohne dass Provisionen oder Interessenkonflikte offengelegt werden.
Offizielle Quellen
- BaFin: Verbraucherinformationen zu Investmentfonds, Basisinformationsblatt und Warnungen vor unseriösen Anbietern.
- Bundesministerium der Finanzen: aktuelle Regeln zu Abgeltungsteuer, Sparerpauschbetrag, Teilfreistellung und Vorabpauschale.
- Verbraucherzentrale: unabhängige Informationen zu ETF-Sparplänen, Kosten und Honorarberatung.
Häufige Fragen
Sind ETFs sicherer als einzelne Aktien?
Ein breit gestreuter ETF verteilt das Risiko auf viele Unternehmen und ist deshalb weniger abhängig von einzelnen Pleiten. Gegen allgemeine Kursrückgänge am Aktienmarkt schützt er aber nicht. Verluste sind möglich, besonders bei kurzer Anlagedauer.
Was passiert mit meinem ETF, wenn der Anbieter pleitegeht?
Fondsvermögen gilt in der EU als Sondervermögen und ist vom Vermögen der Fondsgesellschaft getrennt. Im Insolvenzfall gehört es weiterhin den Anlegern. Das Kursrisiko der enthaltenen Wertpapiere bleibt davon unberührt.
Ausschüttend oder thesaurierend: Was ist besser?
Ausschüttende Fonds zahlen Erträge aus, thesaurierende legen sie wieder an. Wirtschaftlich unterscheiden sie sich vor allem im Zeitpunkt der Besteuerung und in der Bequemlichkeit. Welche Variante passt, hängt davon ab, ob Sie laufende Erträge brauchen.
Ab welchem Betrag lohnt sich ein ETF-Sparplan?
Viele Anbieter erlauben Sparpläne mit kleinen monatlichen Beträgen. Achten Sie darauf, dass feste Gebühren pro Ausführung bei kleinen Beträgen prozentual stark ins Gewicht fallen. Kostenlose oder sehr günstige Sparpläne sind dann im Vorteil.
Muss ich ETF-Gewinne in der Steuererklärung angeben?
Bei einem inländischen Depot führt die Bank die Abgeltungsteuer meist automatisch ab. In bestimmten Fällen kann eine Angabe in der Steuererklärung trotzdem sinnvoll oder nötig sein, etwa bei ausländischen Depots. Prüfen Sie Ihre Lage beim Finanzamt oder mit einer Steuerberatung.


